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Hand eines Rollstuhlfahrers am Reifen
Ausstellungsstücke barrierefrei zugänglich

Die „Pièta“ mit den Händen „sehen“

Museum am Dom in Würzburg ist offen für Belange blinder und sehbehinderter Besucher – Kooperation zwischen Zentrum für Lehrerfortbildung der Universität Würzburg und Museum am Dom

Wenn Marion Peterreins vor einem Kunstwerk steht, dann sieht sie – erst einmal nichts. Außer hell und dunkel nimmt die von Geburt an blinde Frau nichts wahr. Doch wenn sie ein Kunstwerk anfassen kann, erwacht es unter ihren Händen zum Leben. Behutsam berührt ihre Hand, die in einem hauchdünnen Handschuh steckt, die „Pièta“ von Käthe Kollwitz. „Man fühlt die Kälte der Bronze“, sagt sie. Millimeter für Millimeter tasten ihre Hände die Skulptur ab. „Hier ist der Arm, hier die Finger, die Beine vom Kind. Die Figur hat eine gebeugte Haltung. Sie trägt etwas Faltiges. Ein Gewand.“ Kein Detail entgeht der jungen Frau.

Möglich macht dies das Projekt „Blinde und Sehbehinderte im Museum – Wie geht das?“ des Museums am Dom in Würzburg mit dem Zentrum für Lehrerfortbildung der Universität Würzburg. In einem Seminar unter der Leitung von Simone Doll-Gerstendörfer, Kunsthistorikerin und Museumspädagogin aus Randersacker, und Dr. Yvonne Lemke, Museumspädagogin im Museum am Dom, beschäftigten sich 15 Lehramtsstudenten unterschiedlicher Fachrichtungen und Studenten der Museologie mit der Frage, wie man Kunstwerke für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich machen kann. Dabei halfen ihnen Gespräche mit Vertretern der Bezirksgruppe Unterfranken-Würzburg des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbunds (BBSB). „Wir haben dabei festgestellt, dass man auch als Sehender an manchen Stellen blind sein kann“, erzählte ein Student.

Für vier Kunstwerke haben die Studenten Konzepte entwickelt, um sie mit teils ungewöhnlichen Mitteln für blinde und sehbehinderte Besucher zugänglich zu machen. Bei der „Pièta“ von Käthe Kollwitz und dem Gipsabguß der „Piéta Rondanini“ von Michelangelo war der einfachste Weg auch der beste: Die Besucher bekommen hauchdünne Handschuhe, damit sie die Skulpturen ertasten können. Zusätzlich besorgten die Studenten Miniaturausgaben von Skulpturen und Proben unterschiedlicher Materialien, damit Blinde sich einen besseren Eindruck vom Aufbau einer Skulptur machen können.

Doch wie stellt man ein komplexes Werk wie den Flügelaltar „Perit mundus – Fiat iustitia“ von Robert Höfling dar, der nicht berührt werden darf? Die Studenten entwarfen gleich mehrere Modelle zum Anfassen. Eine Holzminiatur des Flügelaltars verdeutlicht den Aufbau des Kunstwerks, Reliefs laden dazu ein, die Muster auf Altarflügeln und Schrein zu erfühlen, und zum Abschluss können noch Streichholzschachteln und Kartoffeln, einige der Originalmaterialien, ertastet werden. Für das abstrakte Gemälde „Himmlische Zelt“ von Louise Modersohn-Breling fertigten die Studenten unter anderem Modelle von den geometrischen Formen. Um die Wirkung der Farben zu erklären, verwendeten sie unterschiedliche Stoffe, zum Beispiel weiches Vlies für das warme Rot. Und damit die Besucher sich überhaupt im Museum zurechtfinden, baute eine Gruppe ein Modell der Ausstellungsräume.

„Als ich noch gesehen habe, bin ich gerne in Museen herumspaziert“, sagte Volker Tesar, BBSB-Bezirksgruppenleiter. Als Blinder habe er dies sehr vermisst. „Sie haben es geschafft, Kunst im Museum begreifbar zu machen, mit den Händen und allen übrigen Sinnen“, lobte er das Engagement der Studenten. „In einer Gesellschaft, die oft exklusiv denkt, ist es eine dringliche Aufgabe, inklusiv zu denken“, sagte Kunstreferent Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen. Kunst sei auch dazu da, angefasst zu werden. Auch die Vorbesitzer der „Pièta“ von Kollwitz hätten diese Figur oft berührt: „Das dürfen Sie jetzt auch.“ „Wenn man sich um eine Gruppe mit besonderen Bedürfnissen kümmert, kommt das letztlich allen zugute“, betonte Doll-Gerstendörfer. „Man rückt den Besucher, den Mensch in den Mittelpunkt.“ Es sei „großartig, dass so etwas stattfindet“, lobte Dr. Renate Fiedler, Vorsitzende der Freunde des Museums am Dom. Der Förderverein werde sich auch an der Finanzierung des Flyers beteiligen. Das Projekt soll im Sommersemester fortgesetzt werden, sagte Professor Dr. Guido Fackler vom Institut für deutsche Philologie. Dann soll es um das Thema „Hören“ gehen.

Die begleiteten Museumsbesuche sollen ab 15. Februar angeboten werden, sagte Martin Turek, zuständig für die Verwaltung der Museen der Diözese. Ein Informationsflyer in Brailleschrift ist in Arbeit. Die Homepage des Museums wird durch einen Link ergänzt, der zu einem gesprochenen Text führt (www.museum-am-dom.de/blinde-im-museum.mp3). Die Führungen eignen sich für Gruppen von acht bis zehn Personen. Blindenhunde dürfen mitgebracht werden.

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